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Mutscheid


421 m, 105 Einwohner (Stand: 2017), Region „Die Mutscheid“ ca. 2094 Einwohner

Das Dorf ist ein eigener Stadtteil von Bad Münstereifel und südöstlich der eigentlichen Kernstadt Bad Münstereifel bzw. 30 km nördlich des Nürburgrings gelegen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist es historisch bedingt aber auch namensgebend für die als „Die Mutscheid“ bezeichnete Region, welche die umliegenden 14 kleinen Dörfer umfasst, wenngleich jedes dieser Dörfchen heute ein eigener, von einander unabhängiger Stadtteil Bad Münstereifels ist. Sie sollen aber dennoch alle in diesem Eintrag vorgestellt werden. Der kleine Ort Mutscheid ist mehrfacher Gewinner der Silber-Medaille im Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden«.

 

Geschichte:

Die frühste Nennung des Gebietes in dem später die Siedlung Mutscheid (historisch Mudscheid) und damit das für den heutigen Stadtteil namensgebende Dorf entstand, findet sich 893 im Besitzverzeichnis der Abtei Prüm als noch ungerodetes Waldstück zur Mast von 200 Schweinen. Im unmittelbaren Umkreis bestanden und entstanden mehrere Siedlungen, wozu auch das ältere Gut Hospelt gehörte, welches heute ein eigener Stadtteil von Bad Münstereifel ist und Siedlungsschwerpunkt war, bis sich dieser allmählich nach Mutscheid verlagerte. 1222 erhielt es der Graf von Vianden als Lehen von der Abtei Prüm zusammen mit dem Patronatsrecht an der Kirche St. Helena, die hier zum ersten mal urkundlich erwähnt wird. Von ihm ging es im gleichen Jahr an Warimbold von Are, der es wiederum 1246 als Schenkung an das Kurfürstentum Kurköln weiterreichte.
Unter diesem war es im Amt Köln-Hardt bis 1794 Teil eines Gerichtsbezirks, Dingstuhl genannt, zusammen mit den umliegenden 16 Orten Odesheim, Steinberg, Bergheim, Ellenhausen (Ellessen), Ohlerath, Hilterscheid, Sassert (Sasserath), Ritterscheid, Hohnerath, Esch, Willerscheid, Reckerscheid, Soller, Hummerzheim, Hospelt, Obliers (letzteres gehört heute zu Rheinland-Pfalz) und den heutigen Stadtteilen Rupperath und Hünkhoven.
Ab 1816 existierte Mutcheid als eigenständige Gemeinde, nun bestehend aus den 14 Orten Mutscheid, Ellesheim, Honerath, Willerscheid, Reckerscheid, Soller, Hummerzheim, Odesheim, Berresheim, Ohlerath, Hilterscheid, Sasserath, Nitterscheid und Esch (im Uhrzeigersinn). Diese Ansammlung wird räumlich auch heute noch als „die Mutscheid“ bezeichnet.
Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurde die Gemeinde 1969 aufgelöst und jedes der Dörfer ein einzelner Stadtteil von Bad Münstereifel. Das historisierende Wappen von Mutscheid wurde erst zum 1100-jährigen Jubiläum kreiert. Man erkennt darauf die Patronin St. Helena, Bergmannswerkzeug, welches auf die Bleierzbergwerke im Konzessionsfeld Glückstahl, u.a. bei Willerscheid und Klappertshardt, verweist und einen Pflug für die Landwirtschaft..

 

Sehenswürdigkeiten:

Im Dorf Mutscheid steht die sehenswerte romanische Kirche St. Helena mit ihren spätgotischen Umbauten. In ihr sind außerdem Barockaltäre aus dem Kloster Steinfeld zu sehen. Sie kann frühestens 1222 nachgewiesen werden, wenngleich die heute sichtbare Substanz mit ihrer zweischiffigen Halle und dem Westturm der Zeit um 1500 entstammt. Auf dem Sakramentshaus ist „1517“ zu lesen. Es fehlen Erkenntnisse über den Zustand vor dieser Zeit. 1909/10 wurde ein Erweiterungsbau mit einem Durchbruch zur nördlichen Wand des spätgotischen Baus angefügt, wobei dieser ansonsten unangetastet blieb. Es folgten 1926 eine Instandsetzung des Altbaus und eine Erneuerung der Kirchturmspitze, sowie von 1960 bis 1965 die Komplettrenovierung.
St. Helena war ehemals eine Sendkirche im Ahrgauer Dekanat. 1222 lag das Patronatsrecht beim Grafen von Vianden. Ab 1539 hatten dieses die Herren von Orsbeck zu Wensberg, denen die Pfandschaft Mutscheid und ab 1571 zusätzlich die Pfandschaft Effelsberg gehörte. Mit dem Patronatsrecht hängt auch das Recht zusammen einen Pfarrer vorzuschlagen oder abzulehnen. 1300 wird die Kirche im liber valoris (einer Art Steuerverzeichnis der Kölner Erzbischöfe) als Pfarrkirche aufgelistet, sie war damit also „Hauptkirche“ für die Dörfer der Pfarrgemeinde St. Helena. Dies ist sie noch heute. Daneben existieren in den Mutscheid umringenden Dörfern eigene Kapellen, in denen regelmäßige Messen stattfinden.
Eine „Führung“ durch die Kirche „in Worten" finden Sie hier http://www.kirche-muenstereifel.de/seelsorgebereich/pfarreien/st-helena-bam-mutscheid/. Hier finden Sie auch Informationen zu den historischen Orgeln der Kirchen im Gebiet Bad Münstereifel (Menüpunkt Kirchenmusik), sowie Termine von Konzerten.

Im Tal des Armutsbaches bei Hilterscheid können Überreste einer römischen Siedlung besucht werden. Die Teils in Karten verbreitete Nennung als Ruinen eines Tempelherrenklosters (erstmals zwischen 1803 und 1814 unter Napoleon durch Tranchot und ab 1815 unter Preußen durch Müffling) erwies sich als Fehlinterpretation. Der frühste urkundliche Hinweis auf den Ort findet sich 1138. Das Dorf Hilterscheid war bereits ebenfalls erfolgreicher Teilnehmer des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“.

Auf 419 m Höhe ist um Honerath herum die abwechslungsreiche Landschaft besonders hervorzuheben. Im Ort findet sich mit dem Kunsthof Greven ein größerer, restaurierter Fachwerkhof mit 7500 qm umgebendem Land. Nach telefonischer Anmeldung (02257/3171) können hier über das ganze Jahr die teils riesigen Kunstwerke (u.a. lebensgroße Kunstfiguren und ein 21 m langes Wandbild), Naturplastiken und mehr besichtigt werden.
In Honerath befindet sich auch ein Nutzgarten, der es zu einem 15-minütigen Beitrag im WDR Fernsehen geschafft hat. Die Bepflanzung privater und öffentlicher Flächen mit standortgerechten, heimischen Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen wird in den Dörfern der Mutscheid generell initiativ betrieben. Auch die Nutztierhaltung ist in dieses Konzept eingebunden. Hiermit soll Vögeln und Kleintieren Lebensraum zurückgegeben und gefördert werden. Das vorbildliche Projekt trägt damit der aktuellen Entwicklung und dem zunehmenden Bewusstsein über das Sterben der Fauna Rechnung und hat außer dem schönen Anblick für Besucher und Anwohner den Zusatznutzen über das Jahr abwechslungsreich mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten versorgt zu sein.

Nicht unerwähnt sollen die Kapellen bleiben. Dies ist zunächst in Ohlerath die St. Quintiliuskapelle mit ihrem Chor aus dem 16. Jahrhundert, ursprünglich St. Hubertus und vermutlich mit Aufstellen des zweiten Altars 1644 auf St. Quinilius „um“-geweiht. Das Schiff der Kapelle ist aus dem 18. Jahrhundert. Darüber hinaus ist zu nennen, einerseits die 1925 über dem Grundriss einer älteren Kapelle neu aufgebaute St. Apolloniakapelle in Reckerscheid, andererseits die Kapelle St. Lüfthildis in Odesheim, welche 1752 errichtet, 1878 restauriert und 1965 (nur Außenbau) instand gesetzt wurde; desweiteren St. Florian In Nitterscheid, 1949/50 von Hans Verhufen errichtet und 1979/80 restauriert, sowie die beide 1953 geplanten und bis 1965 gebauten Kapellen St. Maria Königin in Hummerzheim und St. Johannes in Soller.

Soller liegt auf 510 m NN am Lausnück mit 517 m NN, sie bieten damit die höchste Erhebung in der Region Mutscheid, unterliegen damit aber dem 2,9 km (zu Fuß, nahezu Luftlinie) entfernten Michelsberg mit 586 m NN beim Stadtteil Mahlberg. Sie sind Bestandteil des Ahrgebirges. Auf dem Michelsberg steht übrigens auch die Kapelle St. Michael.

Auch das Dorf Esch besaß eine Kapelle. Die St. Georgskapelle wurde 1717 errichtet, aber 1896 wegen Baufälligkeit geschlossen und schließlich 1905 abgerissen. Esch (mit seinen zusätzlichen zwei Ortsteilen Escher Heide, einem Weiler und dem 500m entfernten Wasserscheide) lohnt sich aber wegen den sorgfältig wiederhergerichteten Fachwerkhäusern, zwei erhaltenen alten Brunnenhäusschen und seiner zentralen Lage im Ahrgebirge. Nordöstlich von Esch verläuft die alte Römerstraße von Köln nach Trier. Neben Wanderungen zu umliegenden Zielen (besonders sei hier auf den Hauptwanderweg 3 hingewiesen), bietet sich vor allem die Sicht vom Ortsrand auf die wichtigsten Eifelberge an: vom Michelsberg (588 m NN) über die Hohe Acht (747 m NN) und die Nürburg (679 m NN) bis zum Aremberg (623 m NN). In unmittelbarer Nähe lässt sich der Reiterhof an der Buchholzbacher Mühle erwandern; etwas weiter ist es bis Willerscheid.

Im Tal bei Willerscheid bis hin zu dessen Ortsrand wurde spätestens seit dem 16. Jahrhundert im sogenannten Konzessionsfeld „Glücksthal“ Blei- und Kupfererz abgebaut, allerdings bei geringer Ergiebigkeit, was auch den phasenweisen Stillstand erklärt. Die Letzte Förderung fand von 1934 bis 1941 statt. Die obertägigen Gebäude des Abbaubetriebes Klappertshardt und der Stollenzugang des Rolandstollens im Tal sind noch erhalten.
Jährlich findet am letzten Juli-Wochenende das Waldfest im "Glücksthal" bei Willerscheid statt, das im Umkreis einige Bekanntheit genießt. Weitere Infos hierzu finden Sie hier http://www.glueckstal.de/

In Ellesheim kann eine in einer ehemaligen Näherei untergebrachte Kunstausstellung besucht werden. Bewohner des Dorfes nahmen auch mehrmals an der jährlich wiederkehrenden Reihe „Offene Gartenpforte Rheinland“ teil (sh. https://www.offene-gartenpforte-rheinland.de/ ), dies reichte sogar für die Erwähnung in einem eigenen Artikel im Kölner Stadtanzeiger und der Kölner Rundschau https://www.ksta.de/region/euskirchen-eifel/bad-muenstereifel/offene-gartenpforte-wenn-der-garten-zum-abenteuerspielplatz-wird-26947012.
Für Tierfeunde und Naturmenschen dürfte die Ellesheimer Tinkerfarm besonders interessant sein. Sie finden dort viele Tiere, eine Weide und Pferdeboxen. Hier kann das eigene Pferd mitgebracht werden und der Urlaub verbracht werden.

Im Gebiet der Mutscheid sind von Dorf zu Dorf starke dialektale Unterschiede zu hören, weil es im Rheinischen Fächer genau an der sogenannten Bad Hönninger bzw. Vinxtbachlinie liegt, die den ripuarischen Dialekt im Norden vom moselfränkischen im Süden trennt.

Abschließend sei hier noch hingewiesen auf die heute im angrenzenden Stadtteil „Gut Hospelt“ befindlichen, historisch zu Mutscheid gehörenden Gutsbauten des Gutshofes Hospelt und eine archäologisch nicht weiter untersuchte Burganlage, welche auch einen Blick wert sind. Weiteres lesen Sie bitte im Eintrag zum Stadtteil „Gut Hospelt“.

 

Jährliche Veranstaltungen:

• Waldfest im "Glücksthal" bei Willerscheid. Jährlich am letzten Juli-Wochenende. Im Umkreis und darüber hinaus genießt es durch das dazugehörige Festival einige Bekanntheit. Weitere Infos hierzu finden Sie hier http://www.glueckstal.de/

 

Wanderwege:

Vom Wanderparkplatz Mutscheid führen vier kürzere Touren zwischen knapp 3 km und 5 km durch die Mutscheid, weiteres erfahren Sie hier https://unser-quartier.de/ev-bm/wegenetz/wanderparkplatz-mutscheid/

Hin und wieder wird eine Kunstwanderung, die Künstler aus acht Dörfern besucht, angeboten. Näheres hierzu erfragen Sie bitte bei Interesse beim Eifelverein-Bad-Münstereifel e.V. unter 02253/960417.

Längere Touren durch die Mutscheid finden Sie hier (16,7 km) https://unser-quartier.de/ev-bm/wegenetz/mtb-5/ und hier (25 km) https://unser-quartier.de/ev-bm/wegenetz/mtb-8/ und (15 km) https://unser-quartier.de/ev-bm/wegenetz/mtb-9/ (als kleiner Tip sei angemerkt: sollten die Seiten von unser-quartier.de aufgrund eines Datenbankfehlers dort nicht laden, geben Sie den Link bei Google ein und klicken Sie auf das kleine auf dem Kopf stehende "Dach"-Symbol, um die Seite aus dem Cache der Google Server aufzurufen).

 

Unterkünfte und Verpflegung:

Gehen Sie hierzu auf unsere "Gastgeber"-Seite. Weitere Informationen zur Nahversorgung (Gaststätten, Ferienwohnungen, Bäckereien,...) finden Sie hier.
Außerdem können Sie die Tinkerfarm in Erwägung ziehen, ein "(Hobby)-Bauernhof am Rande des Dorfes" Ellesheim inklusive zweier außerhalb gelegener Ferienhäuser. Hier können Gäste sogar ihre eigenen Pferde mitbringen (Boxen und Weide vorhanden).



Städtische Kurverwaltung
Kölner Straße 13 (Bahnhof)
53902 Bad Münstereifel
Tel.: 02253-542244
Fax: 02253-542245


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